Original Braunvieh

Rassestandard 

Typisch für das Original Braunvieh sind der mittelgroße Rahmen und die klassische Nutzung für Milch und Fleisch. Die Widerristhöhe beträgt im Durchschnitt 128 cm, das durchschnittliche Lebendgewicht liegt bei 550 kg. Der Geschlechtsdimorphismus ist stark ausgeprägt. Daher beträgt die Widerristhöhe der Stiere 136 cm im Durchschnitt und das Lebendgewicht liegt bei 850 kg.usgeschlossen.Die besonders zu bewertenden Kriterien wie Ohren, Hörner, Maul, Hals, Brusttiefe, Rückenlinie, Lende, Bauch, Becken, Muskulatur, Haut und Haar, Farbe und Rasse sowie Euter und Milchzeichen  
Die sogenannten „Schnäuze“ werden nicht aufgenommen.
Das Punktierverfahren wurde 1883 in der Schweiz erstmals eingeführt. Die Beurteilung des äußeren Erscheinungsbildes wurde mit Hilfe dieses Verfahrens an Hand einer detaillierten Liste vorgenommen und sollte zu objektiveren Ergebnissen führen.
Montafoner Rind aus dem Jahr 1859, k.u.k. Landwirtschaftsministerium, Wien

Die Farbe ist einheitlich braun bzw. dunkelbraun.
Hornspitzen, Flotzmaul und Klauen sind dunkel pigmentiert.
Das Flotzmaul ist von einem hellen Rand gesäumt.
Die Mastfähigkeit bei guter Fleischqualität ist gleichrangig neben der Milchleistung von 4.000 bis 5.500 kg bei guten Inhaltsstoffen im Zuchtziel enthalten. Das Original Braunvieh besitzt eine gute
Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche klimatische Verhältnisse und kann vor allem Grenzertragsstandorte optimal nutzen, da es seine Leistungen aus dem Grundfutter erbringt. Das Original Braunvieh ist genügsam, besitzt eine hohe Vitalität und eine lange Nutzungsdauer. Als altes Kulturgut unterstreicht es den Charakter unseres alpinen Landschaftsraumes.
Im Jahre 1896 wurde das erste „Regulativ für die Zuchtbuchführung“ für das Montafoner Rind in Vorarlberg veröffentlicht. Die wichtigsten Inhalte des Regulativs waren:
Alle aufzunehmenden Tiere müssen punktiert werden. Für die Aufnahme sind mindestens 55 Punkte erforderlich.
werden in einer Punktiertabelle festgehalten.

Die Idealfarbe ist hellbraun oder braun mit hellen Abzeichen. Dunkelbraune und dachsgraue Tiere werden nur aufgenommen, wenn sie in den sonstigen Anforderungen entsprechen.
Tiere mit weißen Flecken, die sich über den Nabel hinaus erstrecken oder die Griffe erreichen, werden a
Die sogenannten „Schnäuze“ werden nicht aufgenommen.
Das Punktierverfahren wurde 1883 in der Schweiz erstmals eingeführt. Die Beurteilung des äußeren Erscheinungsbildes wurde mit Hilfe dieses Verfahrens an Hand einer detaillierten Liste vorgenommen u
nd sollte zu objektiveren Ergebnissen führen.

Die Vorteile des Original Braunviehs liegen auf der Hand.
* hohe Vitalität
* lange Nutzungsdauer
* gute Eignung für Alpen wegen geringem Gewicht
* für Milchviehhaltung und Mutterkuhhaltung geeignet (Zweinutzungsrind)
* gute tägliche Zunahmen in der Kälbermast
* wertvolles Kulturgut

VerbreitungUrsprung


Bis 1965
Das Original Braunvieh entstand durch Verschmelzung der verschiedenen Landschläge ab Mitte des 19. Jahrhunderts. Das Stammgebiet lag im Zentralalpenraum und umfasste die Schweiz, Vorarlberg, das Tiroler Oberland, Südtirol sowie das bayerische und das württembergische Allgäu. Jedes Zuchtgebiet hatte seine eigenen geografischen Voraussetzungen und züchterischen Schwerpunkte, wobei zwischen den einzelnen Zuchtgebieten ein mehr oder weniger intensiver Zuchtviehaustausch bestand und heute noch besteht.
Seit Bestehen der organisierten Braunviehzucht (erstes Herdebuch in der Schweiz 1857) wurde das Zuchtziel immer wieder den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gegebenheiten angepasst, was zu unterschiedlichen Typen von Zuchtvieh geführt hat.

Ab 1965
Bis Mitte der 1960er-Jahre wurde im ganzen Verbreitungsgebiet „Original Braunvieh“ gezüchtet. Mit der Einführung der künstlichen Besamung war es möglich, Sperma aus den USA einzuführen. Dort wurde das ursprünglich aus der Schweiz eingeführte Original Braunvieh konsequent zu einer Milchrasse gezüchtet.
In den einzelnen Braunviehzuchtgebieten wurde durch diese Einkreuzung das Original Braunvieh unterschiedlich verdrängt: während es in Österreich, Deutschland und Italien zu einem fast vollständigen Verschwinden der Bestände kam, wurde in der Schweiz ein relativ großer Bestand (über 10.000 Tiere) an Original Braunviehtieren ohne Brown Swiss Einkreuzung erhalten.

Seit 1990
Seit der Einführung des Generhaltungsprogrammes im Jahre 1990 konnten die wenigen Restbestände in Österreich erfasst und vermehrt werden. Original Braunvieh unterschiedlicher Zuchtrichtungen gibt es gegenwärtig in sehr geringem Umfang in Österreich und Deutschland sowie in größerem Umfang in der Schweiz.
Weltweite Braunviehpopulationen
Große Braunviehpopulationen, die aber züchterisch kaum bearbeitet werden, gibt es in einigen Ländern der früheren Sowjetunion, Südafrika, Mexiko, Brasilien, Kanada, USA.
Zuchtgeschichte.

Ursprung
Über Aussehen und Größe der in der vorchristlichen Zeit gehaltenen Tiere geben Skelettfunde und Berichte von Geschichtsschreibern Auskunft. So dürfte das um Christi Geburt in Westösterreich gehaltene Rind bei einer Widerristhöhe von 105 bis 120 cm von geringem Wuchs und sehr feinem Körperbau gewesen sein. Es war einfärbig und von brauner bis rostroter Farbe und wird heute den Kurzhornrindern – bos brachycerus – zugeordnet. Schriftliche Hinweise über das Vieh in den Alpen gab es erstmals nach der Besetzung dieser Regionen durch die Römer, die die Milchergiebigkeit und Qualität des Alpenviehs lobten (Caesar 50 v. Chr, Strabus 30 v. Chr., Plinius 79 n. Chr., Tacitus 98 n. Chr.)
Nach dem Zusammenbruch des Römischen Reiches zogen immer wieder germanische Volksstämme durch das Gebiet. Die sich ansiedelnden Alemannen, denen man ein besonderes Geschick im Umgang mit Vieh bescheinigte, brachten ihren größeren Rinderschlag mit. Das „Alemannenrind“, so wird angenommen, ist aus der Anpaarung zwischen dem in Mitteleuropa weit verbreiteten wilden Ur und dem kleinen ligurisch-keltischen Hausrind hervorgegangen. Schon der Ostgotenkönig Theoderich forderte seine Untertanen in einem Erlass aus dem Jahr 490 auf, ihr kleines Rind gegen die größeren der Alemannen zu tauschen.
Aus den vorhandenen Rindern entwickelten sich in Vorarlberg und im Tiroler Oberland bis ins 19. Jahrhundert talschaftsgebundene Schläge, von denen vor allem zwei besonders zu erwähnen sind:
das „Montafonerrind“, beeinflusst und geprägt vom dunklen Prätigauer Rind und dem schwarzbraunen Walser Rind und das „Wälder Rind“, als schwarz mit weißen Griffen beschrieben.

Montafoner Schlag
Das Original Braunvieh zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde maßgeblich vom Montafoner Schlag und in geringerem Ausmaß vom helleren Allgäuer Schlag, dem grauen Lechtaler Schlag und dem Schwyzer Braunvieh geprägt.
Die großen Viehmärkte von Schruns, Bludenz, Rankweil, Dornbirn und Schwarzenberg (Vorarlberg), Imst (Tirol), Altstätten und Appenzell (CH), Sonthofen, Oberstaufen und Immenstadt (D) haben wesentlich zum Vermischungsprozess beigetragen.
Gefördert von der Vorarlberger Landesregierung wurde 1862 der Vorarlberger Landwirtschaftsverein mit Bezirksvertretungen in Bregenz, Bezau, Dornbirn, Feldkirch, Bludenz und Schruns gegründet. Der Landwirtschaftsverein organisierte unter anderem landesweit Vieh-Assekuranzen (Versicherung), deren Mitglieder sich bei Viehverlusten (in dieser Zeit vor allem durch Maul- und Klauenseuche und Rauschbrand-Seuchenzüge) gegenseitige Unterstützung garantierten. Der Verein initiierte in den ersten 25 Jahren seines Bestehens zwölf wichtige Gesetze für die Landwirtschaft.
Als zweites landwirtschaftliches Förderungsgesetz wurde am 25.12.1869 das „Gesetz betreffend die Haltung von Zuchtstieren“ rechtskräftig. Mit diesem Gesetz war das erste „Tierzuchtförderungsgesetz“ der k.u.k. Monarchie geschaffen worden. Es beeinflusste den Siegeszug des Original Montafoner Braunviehs über die restlichen Talschläge ganz entscheidend: Aus den vielen verschiedenen Landschlägen im 19. Jahrhundert (um 1800 soll es siebzehn verschiedene Landschläge gegeben haben, die sich zum Teil nur in der Farbe unterschieden), wurde auf Initiative des Landwirtschaftsvereins das schöne, schwere, dunkelbraune und milchergiebige Montafonerrind zur „Landesrasse“ auserwählt. Nur der Einsatz der Montafoner Zuchtstiere wurde auf Grundlage des Tierzuchtförderungsgesetzes finanziell unterstützt.
Um das Qualitätsdenken der Viehzüchter zu wecken und das Verständnis für die Verbreitung des Montafoner Rindes anzuregen, wurden 1869 erstmals in Vorarlberg (und wahrscheinlich in Österreich überhaupt) die ersten drei Viehschauen veranstaltet. Diese Viehschauen sind seitdem im züchterischen Geschehen Vorarlbergs zur Dauereinrichtung geworden. Durch diese gezielte Zuchtarbeit wurden die Landschläge mehr und mehr verdrängt und das Original Braunvieh etabliert. So waren auf den Hauptmärkten in Sonthofen in den Jahren 1880 bis 1890 die etwas größeren und milchreicheren Tiere der Braunviehrasse aus der Schweiz und die Montafoner aus Vorarlberg besonders gefragt, welche von Prof. Kaltenegger so beschrieben wurden:
„Es gibt überhaupt nicht viele Rinderschläge in den Alpenländern, welche sich mit demselben in der für Harmonie und des Körperbaues und die Schönheit seiner Gesamterscheinung in Betracht kommenden Partien, Gliedern und Verhältnissen messen können.“

Herdebuchzucht
Im Jahre 1893 wurde in Dornbirn die „Erste Viehzuchtgenossenschaft“ Vorarlbergs und Österreichs gegründet (fünf Jahre nach der Gründung der ersten Braunviehzuchtgenossenschaft in der Schweiz).
Das erste Herdebuch Österreichs für die „Graubraune Gebirgsrasse, Schlag Montafoner“ wurde eingerichtet.
Dieser Gründung der ersten Zuchtorganisation folgten 1894 weitere in Andelsbuch, Großdorf, Lustenau, Schwarzenberg und im Vorderland.
1923 schlossen sich die bestehenden Viehzuchtvereine zum Vorarlberger Braunviehzuchtverband zusammen und führten das Herdebuch gemeinsam an zentraler Stelle.

Gefährdung

Im Laufe der Jahre wurde der Typ des Braunviehs immer wieder variiert und vom ursprünglichen Milchtyp über den kleinen, gedrungenen „Wirtschaftstyp“ bis zum heutigen großrahmigen, milchbetonten Zweinutzungstyp gezüchtet.
Die ersten Braunviehrinder wurden im Jahr 1869 durch Henry M. Clark, Massachusetts, nach Amerika geholt. Dort kam es 1880 zur Gründung des Amerikanischen Braunviehzuchtverbandes. Bis zur Jahrhundertwende wurden 25 Stiere und 130 Kühe exportiert.
Prämierte Leistungskühe, Thüringen 1928
Im Jahr 1965 begann zuerst der Württembergische Braunviehzuchtverband mit der Einkreuzung von Brown-Swiss Blut. In der Schweiz folgte erst 1967 ein kleiner Vorversuch, der in einem Großversuch in den Jahren 1971 bis 1978 mündete. 1978 war die Zahl der Erstbesamungen mit Stieren mit Brown-Swiss-Blutanteil erstmals höher als die Zahl der Besamungen mit Original Braunvieh-Stieren.
In Österreich begann die Einkreuzung 1968 mit der Einführung der künstlichen Besamung. Schon nach wenigen Jahren waren im Testprogramm nur noch Stiere mit über 50 % Brown-Swiss-Anteil vertreten. Dies hatte zur Folge, daß das ursprüngliche Original Braunvieh immer mehr verdrängt wurde und heute nur mehr in wenigen Exemplaren reinrassig erhalten geblieben ist.

(Quelle: Arche-Austria.at)

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