Tiroler Grauvieh

Das Tiroler Grauvieh ist eine in Österreich beheimatete Rinderrasse. Sie ist im gesamten Alpenraum zu finden. Die meisten Tiere findet man in Tirol und Vorarlberg. Aber sie sind auch in Salzburg und Oberösterreich zu finden.

Das Grauvieh ist ein Zweinutzungsrind. Sie besitzen eine silber- bis eisengraue Farbe. Das Flotzmaul ist dunkel und hell umrandet.

Die Stiere sind dunkler als die Kühe. Beide besitzen einen hellen Aalstrich auf dem Rücken. Die Kälber haben bei der Geburt ein Gewicht von 30 - 45kg. Kühe erreichen eine Widerristhöhe von 130 - 140cm bei einem Gewicht von 550 - 650 kg. Stiere erreichen ein Gewicht von 900 -1000 kg bei einer Widerristhöhe von 140 - 150 cm.

Das Grauvieh wird als eine erhaltungswürdige Nutztierrasse eingestuft.

Das Besondere an Zweinutzungsrassen ist, dass sowohl auf eine gute Milchleistung, aber auch auf eine gute Fleischleistung gezüchtet wird.

Bei einer Milchleistung von ca. 4900kg liegt der Eiweißgehalt bei ca. 3,3% und der Fettgehalt bei 4%.

Das Herdbuch unterteilt sich in die Zuchtrichtung Doppelnutzung mit guter Milch- und Fleischleistung, sowie der Zuchtrichtung Fleisch, um dem zunehmenden Einsatz in der Mutterkuhhaltung Rechnung zutragen.

Das Tiroler Grauvieh wurde und wird in den extremen Bergregionen Tirols gezüchtet. Ihre Langlebigkeit und gute Fruchtbarkeit macht sie bei den Züchtern so beliebt und werden beim aktuellen Zuchtgeschehen berücksichtigt. Ca. 82% der  grauviehzüchtenden Betriebe liegen auf einer Seehöhe von ca. 1000 m. Durch ihre Genügsamkeit und ihrer hervorragenden Geländetauglichkeit ist das Grauvieh auch in extensiver Haltung sehr produktiv. Durch das geringe Gewicht und der Leichtigkeit eignet sich das Grauvieh sehr gut zur schonenden Bewirtschaftung der Weiden.  Das gesamte Jungvieh lebt in den Sommermonaten auf der Alpe.

In der Zeit der Räter (Volk der Antike in den mittleren Alpen) wurde in einigen Seitentälern Tirols Rinder mit einer silbergrauen Farbe und höherem Wuchs gehalten. Römische Schriftsteller berichten schon von der guten Milchleistung des kleinen grauen Alpenrinds.

Die während der Völkerwanderung in den Alpen angesiedelten Alemannen brachten großrahmige Tiere mit ins Land und es folgte eine Vermischung des heimischen ligurisch-keltischen Rinds mit dem großrahmigen Rind der Alemannen. Bis ins 20. Jahrhundert gab es aufgrund des geringen Austauschs der Tiere zwischen den Tälern und verschiedener Umwelteinflüssen unterschiedliche Rasseschläge, die sich hier und da mehr oder weniger unterschieden. Ab den 1870er Jahren findet man erste Rassebeschreibungen der verschiedenen Schläge. Im Norden Tirols gab es zu dieser Zeit drei Schläge , welche als Vorläufer des Grauhvieh gelten:

  • das "Oberinntaler Rind", welches vorwiegend bei Landeck anzutreffen war, war eines der leichtesten Schläge. Es hatte eine graugelbe Farbe.
  • der "Lechtaler " Schlag hatte eine eisengraue Farbe und galt als schweres Rind
  • genau wie das "Wipptaler Rind", welches jedoch eine Farbe von semmelgelb bis graugelb hatte.

Ende des 19 Jahrhunderts trennten sich die Schläge des graubraunen Höhenviehs und wurde in die Rasse Braunvieh und Grauvieh aufgeteilt. 1907 wurden dann verschiedene Farbschläge zusammengefasst. Es wird angenommen, daß die Lechtaler Linie durch Verdrängungskreuzung in das Tiroler Braunvieh überging. Die Wipptaler Linie näherte sich dem Oberinntaler Rind an.

Zu dieser Zeit gab es vom Grauvieh noch rund 150.000 - 200.000 Tiere. 

Als Milchvieh war das Grauvieh nicht nur in Süddeutschland , Ostösterreich und in der Steiermark, sondern auch in Böhmen, Mähren und Ungarn zu finden.

Durch die starke Industrialisierung in Mitteleuropa und der dadurch höhere Bedarf an Milch und Fleisch führte zu einem starken Abverkauf der besten Tiere in die Ballungszentren. Dies führte zu einem Rückgang der Qualität und der Menge des Grauviehbestands. Der Landeskulturrat für Tirol versuchte mit verschiedenen Maßnahmen dieser Entwicklung entgegen zu wirken. Anfang des 20. Jahrhunderts erfolgte die Gründung der ersten Grauviehzuchtgenossenschaft in Oberhofen. Nach dem 1. Weltkrieg wurde mit der Reinzucht begonnen. 

Der "Tiroler Grauviehzuchtverband" wurde 1924 in Landeck gegründet. Ihm obliegt auch die Führung des Herdbuchs. 1926 und 1927 kommt es zur ersten allgemeinen Grauviehausstellung. 1928 wurden die ersten Verbandsausstellungen in Inzing und Ried abgehalten. 1933 wurde ein allgemein geltendes Zuchtziel ausgegeben, welches schon damals auf die robuste Gesundheit, die gute Futterverwertung, aber auch eine gute Fleisch- und Milchleistung Bezug nimmt. Des weiteren soll eine Vereinheitlichung der Form und Farbe stattfinden. 1938 zählt der Verband 44 Vereine mit 1000 Mitgliedern und rund 1800 herdbuchgeführten Tieren.

Nach dem 2. Weltkrieg entsteht ein engerer Kontakt zu den Südtiroler Grauviehzüchtern. Daraus entsteht 1949 der Südtiroler Grauviehzuchtverband (heute: Nationale Vereinigung der Züchter für die Grauviehrasse). Es kam zur Einführung eines eigenen Herdbuchs und somit zur Leistungsprüfung und Entfaltung von Zuchtmaßnahmen.


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